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Umgang mit aufdringlichen Medienleuten gehört zum Handwerk - Notfallseelsorger: Nicht nur die Stelle des Zugunglücks im Blick haben

Von Susanne Müller (epd)

Schwäbisch Hall (epd). Unfälle wie das Eisenbahnunglück bei Schwäbisch Hall lösen auch bei Menschen weit ab vom eigentlichen Unfallort Krisen aus. Gerhard Heck, evangelischer Pfarrer und Koordinator der ökumenischen Notfallseelsorge im betroffenen Kirchenbezirk Blaufelden, nannte gegenüber epd als Beispiel das unter Schock stehende Bahnhofspersonal im nahe gelegenen Schrozberg.

Nicht nur die unmittelbar Betroffenen brauchten beruhigende Ansprache, eine warme Decke oder ein Handy, um Angehörige zu informieren. Notfallseelsorgerinnen und -seelsorger müssten auch an die Angehörigen von schwerer Verletzten oder gar Getöteten denken oder an indirekt Beteiligte - etwa das Bahnhofspersonal.

Rasch zu erfahren, wer indirekt mit dem Ablauf des Unglücks zu tun hat, sei im Einsatzfall eine große Hilfe. Dies setze aber möglichst viel Praxisnähe voraus. Heck belegt dies mit den aktuell guten Erfahrungen der Freiwilligen Feuerwehr Crailsheim. Zu ihrem Team gehört seit langem auch ein ehrenamtlicher Notfallseelsorger.

Auch gegenüber aufdringlichen Medienleuten vorbereitet zu sein, gehöre für die Feuerwehrleute und Rot-Kreuz-Helfer mittlerweile zum Rüstzeug. Heck schilderte, wie Fernsehreporter Verletzte an der Unfallstelle zu Interviews drängten.

Hans Ulrich Stuiber, Pressesprecher der Polizeidirektion Schwäbisch Hall, hatte geahnt, was an Medieninteresse über die Unglücksstelle hereinbrechen würde. Schon nach einer Viertelstunde war er vor Ort und bekam rasch Verstärkung. "Wir konnten den heftigen Medienandrang bald mittels einer Pressekonferenz in ruhige Bahnen lenken", erläutert er seine Funktion zur Entlastung der Rettungskräfte.

Am schlimmsten sei solch ein Unfall für Helfer, die untätig herumstehen müssten und zwangsweise Zeit zum Nachdenken hätten, sagt Pfarrer Heck. Dies habe viele der 208 am Unglücksort eingetroffenen Bundesgrenzschutz- und Polizeibeamten betroffen. Aber auch die aktiven Kräfte suchen oft noch wochenlang entlastende Gespräche.

Nach Angaben der Polizeidirektion Schwäbisch hat das Eisenbahnunglück auf der einspurigen Strecke zwischen Bad Mergentheim und Crailsheim bei Schrozberg sechs Todesopfer gefordert, zwei Schwerverletzte und 23 leicht verletzte Reisende. Die Züge, die sich im Bahnhof

Schrozberg hätten treffen sollen, waren rund 600 Meter nördlich des Orts auf offener Strecke aufeinander geprallt. Wegen der Pfingstferien waren die Züge nicht mit Schülern besetzt. Dennoch sind unter den Todesopfern drei Kinder. (0754/12.06.03)
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